Das Wichtigste in Kürze
- Co-Regulation heisst, mit deinem eigenen ruhigeren Nervensystem am Zustand deines Kindes anzusetzen, nicht an seinem Verhalten.
- Selbstregulation entsteht nicht im luftleeren Raum, sondern aus tausenden Momenten wiederholter Co-Regulation mit den nächsten Bezugspersonen.
- Die Forschung nennt das feine Sich-Einstimmen „Attunement“ oder Synchronisierung: Mimik, Rhythmus und sogar Stresshormone von Kind und Bezugsperson gleichen sich an.
- Gefühle benennen ist ein mögliches Werkzeug, doch ist Co-Regulation viel mehr. Entscheidend ist echtes Verstehen-Wollen und Da-Sein statt Technik mit Erwartungshaltung.
- Fehlt Co-Regulation, gewöhnen sich Kinder Notstrategien an, die sie als Erwachsene mühsam wieder verlernen müssen, wenn sie ihre Regulationsfähigkeiten verbessern möchten.
„Das muss es jetzt einfach mal lernen.“, „Wir haben das schliesslich auch gelernt“ oder „Das Kind tanzt dir auf der Nase herum“. Das sind Sätze, die Menschen, die ich begleiten durfte, schon gehört haben, wenn sie ihre Kinder co-reguliert haben. Teilweise sogar vom eigenen Partner, und ganz besonders dann, wenn die eigenen Kinder nicht unbedingt regulationsstark sind.
Doch Selbstregulation entsteht nicht im luftleeren Raum. Sie entsteht durch Co-Regulation, durch das, was ein Kind wiederholt mit seinen Bezugspersonen erlebt.
Rund um Co-Regulation gibt es so viel Unklarheit und Ungewissheit, dass ich in diesem Artikel versuche einzuordnen, was eigentlich gemeint ist, und dazu auch nach wissenschaftlichen Studien gesucht habe. Viel Spass beim Lesen 🙂
Von Co-Regulation gehört habe ich schon, bevor ich selbst Kinder hatte, und zwar über meine Tätigkeit als Coach. Auch in der Beziehung zwischen Coach und Coachee gibt es Co-Regulation. Umso spannender fand ich das Konzept, als es mir für die Begleitung von Kindern begegnet ist, weil es so prima passt.
Beim Baby co-reguliert man fast automatisch, das kennt wohl jeder Elternteil. Je älter ein Kind wird, desto bewusster wird die Co-Regulation, und desto weniger natürlich läuft sie von allein. Es braucht Wissen und es braucht bewusste Handlungen, gerade dann, wenn sich der Fokus verschiebt: weg vom Verhalten, hin zum Nervensystem. Und noch viel mehr, wenn unsere eigenen Prägungen und Erfahrungen aus der eigenen Kindheit mit ins Spiel kommen.
In diesem Artikel
Was Co-Regulation wirklich bedeutet
Co-Regulation heisst, mit dem eigenen, ruhigeren Nervensystem zu helfen, das überforderte Nervensystem eines Kindes wieder ins Gleichgewicht zu bringen. Du leihst deinem Kind sozusagen deine Ruhe, wie einen Anker, an dem es sich im Sturm festmachen kann, solange es seinen eigenen noch nicht werfen kann. Nicht das Verhalten wird bearbeitet, sondern der Zustand dahinter wird mitgetragen.
Für die meisten von uns ist das nicht der Default. Der Default ist, aufs Verhalten zu schauen. Das Kind schreit, schlägt, verweigert, und wir fragen uns, wie wir dieses Verhalten wieder wegbekommen. Genau da liegt für mich der wichtigste Shift: Nicht zu fragen, wie sich das Kind gerade anders verhalten könnte, sondern was in seinem überforderten Nervensystem passiert. Verhalten ist dann keine Frechheit oder absichtliches Blöd-Tun, welches man abstellen muss, sondern eine Information darüber, dass gerade etwas zu viel ist.
Hier möchte ich aber sogleich einen wichtigen Satz sagen, den ich sehr oft verwende: "Jedes Gefühl ist ok, nicht jedes Verhalten ist ok." Also, dass ich den Fokus wegnehme vom Verhalten heisst nicht, dass ich dieses gutheisse. Ganz im Gegenteil, ich möchte das Verhalten (schlagen, schreien, kaputt machen, usw.) auch weghaben, jedoch suche ich den nachhaltigen Weg, um wirklich daran etwas zu ändern.
Dass das Kind Begleitung benötigt, gilt nicht nur für den grossen Knall. Co-Regulation braucht es beim Wutausbruch genauso wie beim schwierigen Übergang vom Spielen zum Anziehen, beim Einschlafen oder bei der Erschöpfung nach einem langen Tag in der Schule, wenn abends zu Hause wegen einer Kleinigkeit plötzlich alles in einem Meltdown endet. Das Nervensystem war schon voll, bevor die Kleinigkeit kam. Du bist dann nicht die Ursache der Explosion, sondern der sichere Ort, an dem sie endlich rausdarf.
Was Co-Regulation nicht ist
Und weil es oft verwechselt wird, sage ich auch, was Co-Regulation nicht ist. Sie ist nicht, das Gefühl schnell wegzumachen, damit wieder Ruhe herrscht. Sie ist nicht Nachgeben und nicht „Hauptsache, es schreit nicht mehr“. Und sie ist erst recht keine auswendig gelernte Technik. Co-Regulation heisst: Dabei bleiben, während es schwer ist, Da Sein und die eigene Grenze trotzdem halten. „Ich lass mich nicht schlagen, doch bleibe ich hier.“ Das Gefühl des Kindes darf da sein und darf Raum einnehmen. Dein Kind soll damit nur nicht allein sein.
Bei sensiblen, gefühlsstarken und neurodivergenten Kindern kann die ganze Co-Reguliererei noch viel mehr Raum einnehmen. Weil sie mehr Unterstützung brauchen bei der Regulation und das oft auch über eine längere Zeit als andere Kinder. Weil sie mehr Reize aufnehmen, diese stärker verarbeiten und länger brauchen, um sich wieder einzumitten. Weil sie mehr Struktur brauchen oder mehr Autonomie und das fehlen davon sie umso mehr stresst und vor allem auch, weil das System in dem sie sich bewegen häufig gar nicht für sie gebaut wurde.
Muss ich bei jedem Gefühl das Wort dafür benennen?
Nein. Co-Regulation ist keine Formel, bei der man Gefühle benennt und darauf wartet, dass sich das Kind wie gewünscht beruhigt. Genau diesem Bild widerspreche ich am meisten: Der Vorstellung, man sage „Du bist wütend“, und dann funktioniere die Kooperation wie eine Art Zauberformel. Das Kind höre dann auf zu schreien, sage: "Ja, ich bin wütend." und alle beruhigen sich wieder (da muss ich ein bisschen grinsen, wenn ich das schreibe, weil ich genau das schon ausprobiert habe - nein, es hat nicht funktioniert).
Gefühle benennen darf man, wenn das Kind gut darauf reagiert. Muss man aber nicht. Bei vielen Kindern ist es sogar die Ausnahme, nicht der Standard, weil sie den Beruhigungs-Hintergedanken hinter der Formel sofort riechen oder es hassen, wenn man sagt "Du bist wütend". Dann wirkt eine ehrliche eigene Reaktion oft viel echter: „Das würde mich ganz schön ärgern, wenn mir das passiert wäre.“ Oder die Beobachtung, konkret beschrieben, ohne Deutung und ohne Auftrag: „Nun ist dir deine Burg schon wieder zusammengestürzt. Du hast dir so viel Mühe gegeben, sie hinzubekommen.“
Der Unterschied liegt nicht im Wortlaut. Er liegt in der Haltung dahinter. Nicht Technik mit Hintergedanken, sondern echtes Verstehen-Wollen.
| Formel mit Erwartung | Echtes Verstehen-Wollen |
| „Ich sehe, du bist wütend.“ (und innerlich: jetzt beruhig dich endlich) | „Das würde mich ganz schön ärgern“ |
| Beruhigen als Mittel, damit das Kind endlich mitmacht | Verstehen wollen, was das Nervensystem gerade überfordert |
| Nach Schema benennen, egal wie das Kind tickt | Die Beobachtung beschreiben: „Deine Burg ist zusammengestürzt. Du hast dir so viel Mühe gegeben.“ |
Muss mein Kind Regulation nicht einfach selbst lernen?
Nein, und dieses Missverständnis nervt mich ehrlich gesagt ziemlich. Selbstregulation entsteht nicht im luftleeren Raum. Sie entsteht durch wiederholte Co-Regulation mit den Menschen, die einem Kind am nächsten sind.
Wenn sich zwei Menschen aufeinander einlassen, gleichen sich Rhythmen, Mimik und selbst hormonelle Prozesse einander an. Forschende sprechen von Synchronisierung oder Attunement (Feldman, 2007; Trevarthen, 1999). Diese wiederholte Abstimmung mit einer nahen Bezugsperson ist die Grundlage dafür, dass ein Kind überhaupt lernt, seine eigenen Zustände zu regulieren, als Teil seiner gesamten emotionalen Entwicklung. Fehlt diese Abstimmung, bleibt das Nervensystem eher in Übererregung, und die Fähigkeit, sich zu erholen, leidet (van der Kolk, 2010). Schon Ainsworth und ihre Kolleginnen (1978) haben untersucht, wie stark diese nonverbale Übereinstimmung zwischen Bezugsperson und Kind mit einer sicheren Bindung zusammenhängt. Und das Ganze ist keine neue Idee, sondern seit Jahrzehnten erforscht.
Wie körperlich diese Abstimmung ist, zeigt eine aktuelle Auswertung mit 974 Müttern und ihren vier Monate alten Babys (Abney et al., 2026). Gemessen wurde die Herzratenvariabilität der Babys, also wie fein sich ihr Herzschlag an die Atmung anpasst. Sie stieg schon einige Sekunden vor gemeinsamen fröhlichen Momenten an, allerdings nur, wenn Mutter und Baby wirklich miteinander dabei waren. War nur eines der beiden fröhlich, blieb der Anstieg aus. Ging der gemeinsame Moment von der Mutter aus, hielt der Anstieg sogar deutlich länger an.
Praktisch heisst das: Ein Kind, das nicht co-reguliert wird, lernt nicht „von selbst“, sich zu regulieren. Es gewöhnt sich stattdessen an das, was gerade verfügbar ist. Manche Kinder lernen, die Schuld nach aussen zu geben, wenn etwas schiefläuft. Andere lernen, alles in sich hineinzufressen. Wieder andere reagieren mit Aggression und lassen ihre Überforderung mit den Gefühlen umzugehen an anderen aus. Alles sind Notstrategien, die man sich als Kind angewöhnt, weil sonst keine Möglichkeit vorhanden war mit der Emotion umzugehen. Als Erwachsene schleppt man diese Strategien oft noch mit sich herum, wird bei jeder Kleinigkeit getriggert und explodiert, oder schluckt alles runter, bis irgendwann gar nichts mehr geht. Manche schaffen es, sich das später mühsam wieder abzugewöhnen. Andere bleiben bei ihren Regulations-Notstrategien, die für sie selbst und das Umfeld nicht unbedingt angenehm sind und natürlich schauen die Kinder sich diese auch ab und übernehmen sie.
Wie Nervensysteme sich gegenseitig regulieren
Was in dieser Abstimmung passiert ist ein biologischer Vorgang. Das Nervensystem eines Kindes orientiert sich an dem der Bezugsperson, so wie es sich schon als Baby an Stimme, Herzschlag und Mimik orientiert hat. Ist die Bezugsperson selbst dysreguliert, wirkt sich das entfremdend auf die Beziehung aus und erschwert dem Kind, sich zu erholen. Ein Kind, das immer wieder mangelnde Abstimmung erlebt, gerät leichter in Übererregung und reagiert dann eher mit Kampf oder Flucht (einem der 4 Fs der Stressreaktion: Fight, Flight, Freeze, Fawn) als mit einer durchdachten Reaktion (Scaer, 2005).
Genau deshalb gilt: Du kannst von deinem Kind keine Regulation erwarten, wenn du selbst gerade nicht reguliert bist. Das heisst nicht, dass du niemals wütend werden darfst. Es heisst, dass dein eigenes Nervensystem den Ton mit angibt, ob dein Kind sich wieder beruhigen kann oder mit dir hochgeht.
Und es ist auch völlig ok, gemeinsam in die Luft zu gehen und sich danach gemeinsam auch wieder zu beruhigen. Wichtig ist, dass mit dem Kind eingeordnet wird. Dass man sich selbst für blöde Dinge oder aggressives Verhalten entschuldigt und einordnet, dass das nicht in Ordnung war. Durch das gemeinsame Explodieren und wieder beruhigen lernen Kinder auch, wie man damit umgehen kann, wenn es zur Eskalation in einem Streit kommt. Auch das ist eine wichtige Erfahrung und Fähigkeit.
Ebenso ok ist es, nicht verfügbar zu sein. Wenn dein Tank leer ist und du nichts mehr regulieren kannst, dann kannst du nicht mehr. Es geht darum, dass dein Kind normalerweise eine verlässliche Co-Regulation erfährt, um seine Regulationsfähigkeit zu verbessern. Dazu musst du aber nicht ständig verfügbar sein!
Und wenn du selbst gerade nicht ruhig bist?
Dann bist du kein schlechtes Elternteil, sondern ein Mensch mit einem Nervensystem. Besonders schwierig wird es, wenn dein Kind dich triggert, weil eigene alte Geschichten mitschwingen. Dann verlangt der Moment ausgerechnet von dir die stabilere Position, während in dir selbst alles kocht. Der erste Schritt ist dann nicht mehr Disziplin, sondern mehr Selbstwahrnehmung: Früh genug merken, dass sich dein eigenes Fass füllt.
Genau dafür habe ich den Gelassenheits-Kompass erstellt, ein kostenloses Workbook, mit dem du dein persönliches Frühwarnsystem erarbeitest. Nach dem Ampel-Prinzip findest du heraus, woran du bei dir grün, gelb und rot erkennst, und kannst gegensteuern, bevor das Fass überläuft. Mit der Anmeldung landest du zugleich in meinem Newsletter mit Impulsen für den Alltag.
Ich empfinde es hier als sehr hilfreich auch tiefer zu gehen, wenn es immer wieder zu solchen Trigger-Momenten kommt und den eigenen Rucksack zu sortieren, um dem Kind nicht all die doofen Dinge mitzugeben, die wir selbst in unserem Leben aufgesammelt haben. Das ist ein grosser Teil meiner Arbeit. In einer Einzelsession nehmen wir uns eine Stunde Zeit für einen dieser Trigger-Momente und schauen, welche alte Geschichte da mitschwingt.
Wenn co-regulierende Eltern kritisiert werden
Was mich an der Art, wie über Co-Regulation gesprochen wird, am meisten stört ist, dass Eltern kritisiert werden, die Co-Regulieren: „Du machst zu viel.“ „Das ginge auch anders.“ „Früher hat das auch ohne so viel Gefühlsgerede funktioniert.“
Wer co-reguliert, macht genau die Arbeit, die ein Kind braucht, um später selbst gut regulieren zu können. Die eigene, oft unterdrückte Wut aus der eigenen Kindheit hat bei vielen von uns dazu geführt, dass wir genau diese Arbeit nie erlebt haben. Umso wichtiger, dass wir sie unseren Kindern nicht auch noch vorenthalten, nur weil das Umfeld sie für übertrieben hält.
„Das würde auch anders gehen“ stimmt vielleicht sogar. Schneller, härter, mit mehr Distanz. Nur würde es nicht zu einem Kind führen, das gelernt hat, sich selbst zu regulieren. Es würde zu einem weiteren Erwachsenen führen, der mühsam wieder verlernen muss, was er als Kind nie lernen durfte.
Wie sieht Co-Regulation im Alltag aus?
Meist viel unspektakulärer, als der Begriff vermuten lässt. Co-Regulation ist selten der eine grosse magische Moment, sondern das, was du vermutlich längst tust, ohne es so zu nennen.
Ideen:
- Dabeibleiben, wenn der Staudamm bricht. Präsent sein, ohne Vortrag. Deine Ruhe wirkt, auch wenn es mittendrin nicht so aussieht.
- Nähe oder Abstand anbieten, je nachdem, was dein Kind gerade braucht. Kennst du ein Kind, kennst du ein Kind: Manche wollen gehalten werden, andere brauchen zwei Meter Abstand und deine ruhige Stimme von der Türe her.
- Manche Kinder wollen sich lieber selbst austoben, schreien, ohne dabei eine fürsorglich blickende Person neben sich und kommen danach wieder auf uns zu.
- Stimme runter, Tempo runter, Worte runter. Ein überflutetes Nervensystem kann keine Argumente verarbeiten, deine Ruhe kommt trotzdem an.
- Echt reagieren statt Formeln aufsagen. Verstehen wollen statt beruhigen wollen.
Du verstehst das Prinzip? Es geht nie darum, das Gefühl abzustellen. Es geht darum, dass dein Kind mit dem Gefühl nicht allein ist.
Wo stehst du gerade? Fällt es dir eher schwer, dich von der „das muss es jetzt selbst lernen“-Haltung zu lösen, oder eher, deine eigene Co-Regulation gegen Kritik von aussen zu verteidigen? Beides ist einen eigenen Gedanken wert.
Zu verstehen, was Co-Regulation ist, ist der erste Schritt. Sie im Alltag zu leben, wenn dein Kind gerade explodiert und in dir selbst alles hochkommt, ist der schwierigere. Dabei begleite ich Eltern: Wir schauen auf eure konkreten Situationen, darauf, wann das Nervensystem deines Kindes überläuft, was es dann von dir braucht und was dich selbst dabei aus der Ruhe bringt. Dazu verbinde ich das Wissen über das Nervensystem mit dem, was in eurem Alltag tatsächlich umsetzbar ist.
In einer Kurz-Session schauen wir eine halbe Stunde lang auf eine Situation, die euch gerade beschäftigt. Du gehst mit einem nächsten Schritt raus, der zu deinem Kind passt. Wenn dir Schreiben leichter fällt, schick mir eure Situation als Nachricht oder Sprachnachricht. In der Flexiblen Begleitung bekommst du innerhalb von zwei Arbeitstagen eine ausführliche Antwort, ohne festen Termin und in deinem Tempo.
Wenn du mir lieber zuerst schreibst: Unter hallo@goniboller.ch erreichst du mich direkt. Mit ein paar Sätzen zu eurer Herausforderung finden wir gemeinsam heraus, welches Angebot passt.
Häufige Fragen zu Co-Regulation
Was ist der Unterschied zwischen Co-Regulation und Selbstregulation?
Co-Regulation ist die Unterstützung durch eine Bezugsperson, die ihr eigenes ruhigeres Nervensystem zur Verfügung stellt, damit sich das Kind wieder beruhigen kann. Selbstregulation ist die Fähigkeit, das später auch allein zu schaffen. Sie entsteht als Ergebnis von wiederholter Co-Regulation, nicht unabhängig davon.
Muss ich bei jedem Wutanfall die Gefühle meines Kindes benennen?
Nein. Gefühle benennen kann helfen, ist aber keine Pflicht. Wichtiger als der genaue Wortlaut ist, dass dein Kind spürt, dass du es wirklich verstehen willst, und nicht nur eine Technik anwendest.
Was bedeutet Attunement?
Attunement meint das feine Sich-aufeinander-Einstimmen zwischen zwei Menschen. Rhythmen wie Mimik, Stimme, Atmung und sogar Stresshormone pendeln sich aufeinander ein. Diese Einstimmung mit einer nahen Bezugsperson gilt als Grundlage dafür, dass ein Kind lernt, seine Gefühle zu regulieren.
Ab welchem Alter braucht mein Kind noch Co-Regulation?
Länger, als die meisten denken. Co-Regulation beginnt beim Baby fast automatisch und bleibt mit zunehmendem Alter bewusst nötig, gerade bei neurodivergenten oder gefühlsstarken Kindern, deren Nervensystem mehr Unterstützung braucht als bei anderen Kindern.
Kann ich mein Kind co-regulieren, wenn ich selbst gerade nicht ruhig bin?
Nur begrenzt. Dein Kind orientiert sich an deinem Nervensystem. Bist du selbst hoch aktiviert, geht das Kind eher mit dir hoch, statt sich an dir zu beruhigen. Manchmal hilft es dann, erst selbst kurz herunterzukommen, bevor du dein Kind unterstützt.
Was passiert, wenn ein Kind zu wenig co-reguliert wird?
Es gewöhnt sich Strategien an, die es sich selbst beibringen musste, weil niemand da war, der geholfen hat: Schuld nach aussen abschieben oder alles in sich hineinfressen, zum Beispiel. Diese Strategien lassen sich als Erwachsene oft nur mühsam wieder verlernen.
Dir gefällt, was du liest? Du kannst meinen Blog abonnieren; mit meinem Newsletter.
Goni Boller ist Beraterin und Coach für Eltern von sensiblen, gefühlsstarken, wilden und neurodivergenten Kindern. Sie begleitet Familien dabei, zu verstehen, wie bei ihnen alle ticken, und Lösungen zu finden, die für alle passen. Damit der Alltag wieder mehr Spass macht und die Familie zusammenhält. Es geht dabei nicht nur um Ideen für den Umgang mit dem Kind, sondern auch um die eigenen Prägungen und Trigger, die oft genau dann im Weg stehen, wenn Eltern eigentlich anders reagieren möchten.
Selbst neurodivergent und Mutter von zwei gefühlsstarken Jungs kennt Goni diesen Familienalltag nicht nur aus der Theorie. Dazu kommt ihr Wissen aus der Coachingausbildung, aus der kindlichen Entwicklung und aus ihrem naturwissenschaftlichen Hintergrund. Als Coach arbeitet sie seit 2018. Mit ihrer Familie lebt sie im Aargau in der Schweiz.