Das Wichtigste in Kürze
- Ein neurodivergentes Kind braucht vor allem vier Dinge: eine passende Reizmenge, vorhersehbare Abläufe, echte Mitbestimmung und eine Umgebung, die sich bewegt statt nur das Kind.
- Ein einzelnes Kind ist neurodivergent, nicht neurodivers. Neurodiversität beschreibt die Vielfalt in einer Gruppe und schliesst neurotypische Menschen mit ein.
- Verhalten ist der Hinweis, nicht das Problem. Fast jedes Signal deines Kindes lässt sich als Bedürfnis lesen.
- Eine Diagnose braucht es für den Alltag zu Hause nicht, für Nachteilsausgleich, Therapieplätze und das Umfeld sehr oft schon.
- Auch wenn du alles verstehst, bleibt es anstrengend. Das ständige Coregulieren zehrt, und das darf so benannt werden.
Eltern zu sein ist eine der erfüllendsten, aber auch herausforderndsten Aufgaben im Leben. Wenn du jedoch ein Kind hast, das nicht ins „Schema F“ passt, sei es durch Hochbegabung, ADHS, Autismus, Dyslexie, Hochsensibilität oder andere Neurodivergenzen, wird das Familienleben oft noch komplexer. Diese neurodiversen Kinder sind besonders, und sie brauchen ebenso besondere Unterstützung. Gleichzeitig stellen sie ihre Eltern vor Herausforderungen, für die es manchmal keine einfachen Lösungen gibt.
Und: Viele Eltern neurodivergenter Kinder sind selbst neurodivergent. Da Neurodivergenz eine starke genetische Komponente hat, fällt es häufig auch den Eltern schwer, sich selbst, ihr Kind und die oft sehr fordernden Alltagsstrukturen in Einklang zu bringen. Diese doppelte Herausforderung kann überwältigend sein, birgt aber auch die Chance für ein tieferes Verständnis, für sich selbst und für das eigene Kind. Denn viele Eltern erkennen erst durch ihr Kind, dass auch sie hochsensibel, hochbegabt oder autistisch sind oder ADHS haben.
In diesem Artikel
Was ist Neurodivergenz?
Neurodivergenz beschreibt eine natürliche Variation der Funktionsweise des menschlichen Gehirns. Dazu gehören Diagnosen wie ADHS, Autismus, Dyslexie, Dyskalkulie, Tourette-Syndrom oder auch psychische Erkrankungen sowie Hochbegabung oder Hochsensibilität, je nach Definition. Neurodivergente Menschen nehmen ihre Umwelt anders wahr, verarbeiten Informationen auf besondere Weise und haben oft einzigartige Denk- und Lösungsansätze.
Es ist wichtig zu betonen, dass Neurodivergenz keine Krankheit ist, die „geheilt“ werden muss. Vielmehr handelt es sich um eine andere Art, die Welt zu erleben und mit ihr zu interagieren. Doch gerade weil unsere Gesellschaft oft auf neurotypisches Verhalten ausgerichtet ist, können neurodivergente Kinder (und ihre Eltern) schnell an Grenzen stossen.
Besonders aufschlussreich ist die Statistik: Rund 20 % aller Kinder und Jugendlichen sind neurodivergent, jedes fünfte Kind! Viele dieser Kinder leben in einer Umgebung, die auf neurotypische Bedürfnisse ausgelegt ist, was für sie und ihre Familien zusätzliche Schwierigkeiten mit sich bringt. Häufig liegt leider der Fokus auf den Dingen, die neurodivergente Kinder nicht besonders gut können, also sie seien unkonzentrierter, lauter, können nicht still sitzen, sind zu schüchtern oder zu rasch überreizt. Doch diese Kinder bringen auch wunderbare Fähigkeiten mit, die es zu betonen gilt: Sie sind häufig kreativ, einfühlsam, erkennen Dinge, die anderen verborgen bleiben, oder bringen einzigartige Problemlösungsfähigkeiten mit.
Was ist Neurodiversität?
Neurodiversität ist ein Konzept, das die natürliche Vielfalt neurologischer Funktionen betont. Es beschreibt die Tatsache, dass unsere Gehirne unterschiedlich funktionieren, nicht nur in der Denkweise, sondern auch in Bereichen wie Lernen, Motorik, Struktur, Interaktion, Sprache und Wahrnehmung.
Diese Vielfalt ist ein unbestreitbarer Teil der Natur, und es gibt wissenschaftliche Belege dafür, dass die Evolution nicht aufhörte, Diversität zu erzeugen, bevor sie das menschliche Gehirn „entwarf“ (Legault, 2021). Diese Unterschiede sollten nicht als Defizite betrachtet werden, sondern als eine Bereicherung für die Gesellschaft. Neurodiversität umfasst sowohl neurotypische als auch neurodivergente Menschen und stellt eine tiefere Ebene der menschlichen Vielfalt dar.

Das Konzept der Neurodiversität entstand in den 1990er-Jahren innerhalb der autistischen Community, inspiriert durch die Arbeit von Jim Sinclair und anderen Mitgliedern des Autism Network International. Die Soziologin Judy Singer prägte den Begriff und bezog sich ursprünglich auf Menschen im Autismus-Spektrum. Heute wird Neurodiversität als ein inklusiver Begriff verstanden, der alle Menschen mit einschliesst. Häufig wird der Begriff jedoch auch zur Bezeichnung von neurodivergenten Menschen verwendet, viele Personen diesen Begriff passender finden.
Ist mein Kind neurodivergent? Anzeichen und Symptome
Eltern fragen sich oft: „Ist mein Kind neurodivergent?“ Neurodivergenz zeigt sich in vielen Formen und kann sich durch unterschiedliche Symptome bemerkbar machen. Wenn du das Gefühl hast, dein Kind sei neurodivergent, dann sprich mit einer Fachperson darüber.
Gewisse Neurodivergenzen, welche Teilweise auch als Entwicklungsstörung definiert werden, können Diagnostiziert werden. Beispielsweise bei Diagnosen im Autismus-Spektrum (ASS) und für ADHS gibt es teilweise lange Wartefristen. Wichtig ist es, bei einem Experten die Diagnose vornehmen zu lassen. Zwischen den Neurodivergenzen kommt es häufig zu Fehldiagnosen. Beispielsweise werden hochbegabte Kinder teilweise erst mit ADHS oder ASS diagnostiziert.
Da ich häufig danach gefragt werde, möchte ich hier eine Liste mit dir teilen, ohne den Anspruch zu haben, wirklich eine Aussage über dein Kind treffen zu können.
- Extremes Erleben von Emotionen und Herausforderungen in der Emotionsregulation
- Schwierigkeiten mit der Aufmerksamkeit
- Intensives Bedürfnis nach Routine und festen Abläufen oder Ablehnung von Strukturen
- Besondere sensorische Empfindlichkeit oder auch Unempfindlichkeit darauf
- Ein ungewöhnlich schneller oder langsamer Lernprozess in bestimmten Bereichen
- Soziale Herausforderungen, Schwierigkeiten, nonverbale Signale zu deuten oder geringe kommunikative Kompetenzen
- Tiefe und intensive Interessen, die über lange Zeit verfolgt werden
- Andere Denkweise: Abstrakter, vernetzter, schneller, langsamer, kreativer, grosse Zusammenhänge erkennen, Dinge aus verschiedenen Perspektiven beleuchten
- Dinge wahrnehmen, die anderen entgehen, z. B. Nuancen, Details oder eine Stimmung, die im Raum liegt
- Hohe oder geringe Empathiefähigkeit
- Viel Zeit allein brauchen zum Aufladen
- Rasch auftretende Langeweile, Unterforderung oder Überforderung
- Stimming (Selbststimulierendes Verhalten zur Beruhigung)
Besonders wichtig ist, dass Eltern auf ihr Bauchgefühl hören. Wenn du das Gefühl hast, dass dein Kind anders tickt als Gleichaltrige, kann eine frühzeitige Diagnostik Klarheit schaffen. Je früher eine Diagnose gestellt wird, desto besser können Eltern und Pädagog:innen ihr Kind unterstützen.
Ob das, was du bei deinem Kind beobachtest, in diese Richtung geht, lässt sich oft schon in einer Kurz-Session gut einordnen.
Diagnose Ja oder Nein
Viele Eltern sind zurückhaltend, wenn es um Diagnostik geht, weil sie unsicher sind, ob das wirklich nötig ist, was die Reaktionen aus dem Umfeld sind und auch nicht wissen, was sie und ihr Kind dort erwartet. Viele wollen verhindern, dass ihr Kind in eine Schublade gesteckt wird.
Wenn wir uns als Eltern jedoch fragen, wie wir unsere neurodivergenten kinder besser begleiten können, so kann eine Diagnose das Fundament der weiteren Begleitung bilden. Durch die Diagnose oder Abklärung bekommt man ein klareres Bild davon, in welchem Bereich sich das Kind bewegt und welche Unterstützung es braucht. Diese bezieht sich nicht etwa nur auf seine Übungsfelder (auch Schwächen oder Probleme genannt, doch das gefällt mir nicht so gut), sondern ein besonderes Augenmerk kann auch auf die Stärken und Fähigkeiten gerichtet werden und das Kind darin unterstützt werden, diese zu fördern.
In einer neuroinklusiven Welt bräuchte es vielleicht wirklich nicht immer eine Diagnose oder Abklärung - doch leben wir nicht in einer solchen Welt. Unsere Welt ist zu einem grossen Teil von neurotypischen Menschen für neurotypische Menschen eingerichtet worden - die Neurodivergenten fallen hier oft durch das Raster und sie brauchen Nachsicht, Unterstützung und Hilfsmittel, um in dieser Welt gut zurecht zu kommen.

Hierzu finde ich eine Hochrechnung des Kinderpsychiaters Michael Jellinek sehr eindrücklich: Ein Kind mit ADHS könnte allein in der Schule bis zu seinem 10. Lebensjahr rund 20’000 korrigierende oder negative Kommentare hören.
Die doppelten Herausforderungen: Wenn Eltern auch neurodivergent sind
Da Neurodivergenz oft eine grosse genetische Komponente hat, sind viele Eltern neurodivergenter Kinder selbst neurodivergent, oft ohne es zu wissen. Vielleicht hast du selbst Schwierigkeiten mit Reizüberflutung, bist impulsiv oder kämpfst mit deiner Organisation und Struktur. Diese Aspekte können im Familienalltag eine besondere Dynamik erzeugen:
- Hohe Empfindsamkeit auf beiden Seiten: Wenn du als Elternteil selbst hochsensibel bist, spürst du die Stimmungen deines Kindes möglicherweise sehr intensiv. Das kann ein Geschenk sein, weil du leichter empathisch reagieren kannst, aber es kann auch schnell zu Überforderung führen.
- Reizüberflutung im Familienalltag: Der Alltag mit Kindern ist oft laut, chaotisch und unvorhersehbar. Für neurodivergente Eltern, die vielleicht selbst Schwierigkeiten mit Lärm, Unordnung oder Veränderungen haben, kann das besonders herausfordernd sein.
- Organisationsprobleme: Eltern neurodivergenter Kinder stehen vor komplexen Aufgaben: Arzttermine, Therapien, Förderprogramme, das alles will organisiert sein. Wenn du selbst Schwierigkeiten mit Zeitmanagement und Planung hast, wird dieser Druck noch grösser.
- Selbstzweifel: Viele neurodivergente Eltern haben das Gefühl, den Anforderungen des Alltags nicht gerecht zu werden. Sie vergleichen sich mit anderen Eltern, die scheinbar mühelos alles im Griff haben, und fühlen sich oft ungenügend.
- Unbearbeitete Kindheitserfahrungen: Wenn du selbst neurodivergent bist und als Kind wenig Unterstützung erfahren hast, können alte Wunden aufbrechen. Die Begleitung deines Kindes kann dann zur emotionalen Herausforderung werden, weil sie dich an deine eigenen schwierigen Erfahrungen erinnert.
Die Herausforderungen des Alltags mit einem neurodiversen Kind
Unabhängig davon, ob die Eltern selbst neurodivergent sind, ist der Alltag mit einem neurodivergenten Kind oft besonders anspruchsvoll. Hier sind einige der häufigsten Herausforderungen:
- Reizüberflutung: Kinder mit hoher Sensibilität oder ADHS reagieren oft stärker auf ihre Umgebung. Ein einfacher Familienausflug kann schnell in einem emotionalen Zusammenbruch enden, wenn die Eindrücke zu überwältigend werden.
- Unterschiedliche Bedürfnisse in der Familie: Während ein Kind vielleicht stundenlang allein lesen möchte, verlangt das andere ununterbrochene Aufmerksamkeit oder braucht besonders viel Bewegung. Diese unterschiedlichen Bedürfnisse können Eltern in alle Richtungen ziehen und zu einem Gefühl der Zerrissenheit führen.
- Schwierigkeiten in der Schule: Viele neurodivergente Kinder haben Probleme, sich in das starre Schulsystem einzufügen. Als Elternteil wirst du dann oft zum Vermittler zwischen Lehrkräften, Therapeuten und deinem Kind, ein Job, der Energie und Geduld erfordert. Viele erfahren hier Frustrationen, weil sie merken, dass ihr Kind nicht genügend unterstützt wird, sei es wegen fehlender Ressourcen, geringem Know-How oder Überforderung.
- Vorurteile und Missverständnisse: Neurodivergenz ist nicht immer sichtbar. Wenn das Verhalten deines Kindes von aussen als „ungezogen“ oder „faul“ interpretiert wird, belastet das oft auch dich als Elternteil. Du fühlst dich missverstanden und stehst unter Druck, dich und dein Kind rechtfertigen zu müssen.
- Ein Gefühl der Isolation: Viele Eltern neurodivergenter Kinder fühlen sich allein mit ihren Sorgen. Sie erleben, dass typische Erziehungsratschläge nicht funktionieren, und haben das Gefühl, niemand versteht sie.
Unterstützung für neurodivergente Kinder: Individuelle Wege finden
Neurodivergente Kinder benötigen eine Umgebung, die ihre individuellen Stärken fördert und ihre Herausforderungen berücksichtigt. Es gibt keine allgemeingültige „richtige“ Herangehensweise, jede Familie und jedes Kind ist einzigartig. Vielmehr geht es darum, gemeinsam Wege zu finden, die für dein Kind funktionieren.
1. Akzeptanz und Verständnis
Ein unterstützendes Umfeld beginnt mit Akzeptanz. Dein Kind ist nicht falsch oder defizitär, es nimmt die Welt auf seine eigene Weise wahr. Indem du dich mit seiner Neurodivergenz auseinandersetzt, seine besonderen Bedürfnisse erkennst und seine Art der Weltwahrnehmung ernst nimmst, kannst du eine Atmosphäre schaffen, in der es sich sicher fühlt.
2. Struktur mit Flexibilität verbinden
Viele neurodivergente Kinder profitieren von klaren Strukturen. Tagespläne, visuelle Hilfsmittel und Routinen geben Sicherheit und helfen, Stress zu reduzieren. Gleichzeitig ist es wichtig, flexibel zu bleiben und auf spontane Bedürfnisse einzugehen. Manche Kinder brauchen vorhersehbare Abläufe, andere wiederum profitieren von variablen Gestaltungsmöglichkeiten.
Bei manchen Kindern löst schon die Anforderung an sich Stress aus, egal wie freundlich sie verpackt ist. Für sie braucht es einen Weg, der Anforderungen kleiner macht, und dafür lohnt sich der Blick auf PDA und das Bedürfnis nach Selbstbestimmung.
3. Kommunikation anpassen
Neurodivergente Kinder nehmen Sprache und soziale Signale oft anders wahr. Manche benötigen klare, direkte Anweisungen, während andere Schwierigkeiten haben, ihre Emotionen zu verbalisieren. Unterstützte Kommunikationstools, Bildkarten oder schriftliche Anweisungen können helfen, Missverständnisse zu vermeiden und den Austausch zu erleichtern.
4. Individuelle Lernwege ermöglichen
Das traditionelle Schulsystem ist oft nicht optimal für neurodivergente Kinder. Frühzeitige Gespräche mit Lehrkräften können helfen, individuelle Anpassungen zu besprechen. Dazu gehören Nachteilsausgleiche, alternative Prüfungsformate oder angepasste Unterrichtsmethoden. Auch sensorische Anpassungen, Bewegungsangebote und gezielte Pausen können das Lernen erleichtern.
5. Selbstregulation unterstützen
Viele neurodivergente Kinder haben Schwierigkeiten, ihre Emotionen zu regulieren. Strategien wie Atemübungen, Bewegungspausen oder Rückzugsorte können helfen, das Nervensystem zu beruhigen. Auch sensorische Hilfsmittel wie Gewichtsdecken oder geräuschdämpfende Kopfhörer können unterstützend wirken.
6. Stärken erkennen und fördern
Neurodivergente Kinder hören oft, was sie „nicht können“. Dabei ist es essenziell, ihre Stärken bewusst zu machen und gezielt zu fördern. Ob kreatives Denken, Kreativität, Mustererkennung, Empathie, innovatives Denken, detailgenaue Wahrnehmung oder unkonventionelle Problemlösung. Jedes Kind hat seine besonderen Fähigkeiten. Diese zu betonen stärkt das Selbstbewusstsein und die Motivation. Dies verändert auch den Blick des Kindes auf sich selbst, wenn wir diese Stärken in den Mittelpunkt stellen.

Weitere Artikel zu den einzelnen Neurodivergenzen und zum Alltag damit findest du gesammelt unter Neurodivergentes Kind begleiten.
Ein guter Anfang für den Alltag ist der „Anforderungs-Zerleger“ bei den kleinen Hilfen für den Alltag. Damit machst du Anforderungen so klein, dass dein Kind sie bewältigen kann. Für dich selbst liegt dort kostenlos „Dein Gelassenheits-Kompass“.
Was du noch tun kannst, um dein neurodiverses Kind und dich selbst zu unterstützen
- Informiere dich: Wissen hilft, dein Kind besser zu verstehen. Lies Bücher, höre Podcasts oder nimm an Webinaren über Neurodivergenz teil. Ein sehr empfehlenswertes Buch ist: "Ein Kopf voll Gold" von Saskia Niechzial*
- Hol dir Unterstützung: Lass dich von einer passenden Fachperson begleiten. Dies können Ansprechspersonen bei der Schule sein, bei deiner Gemeinde, Beratungsstellen, ein:e Psycholog:in oder Psychiater:in oder ein:e Coach. Für den Alltag mit deinem neurodivergenten Kind begleite ich dich, ob es um das Verhalten deines Kindes geht oder um das, was in dir dabei anspringt. In einer Einzelsession schauen wir auf das, was bei euch gerade am meisten Kraft kostet. Gemeinsam suchen wir Wege, wie ihr den Alltag entspannter meistern könnt. Wenn dir Schreiben leichter fällt, geht das auch in der Flexiblen Begleitung per E-Mail oder Messenger.
- Verbinde dich mit anderen Eltern: Der Austausch mit anderen Familien neurodivergenter Kinder kann wertvolle Tipps und emotionale Entlastung bieten.
- Setze dich für Inklusion ein: Schule, Freizeitangebote und Gesellschaft sind oft noch nicht auf neurodivergente Menschen eingestellt. Du kannst durch Aufklärung und Engagement dazu beitragen, die Welt für dein Kind zugänglicher zu machen.
Welches Angebot zu dir passt, klären wir auch gerne per Mail. Unter hallo@goniboller.ch erreichst du mich direkt mit ein paar Sätzen zu dem, was euch gerade beschäftigt.
Häufige Fragen
Was braucht ein neurodivergentes Kind am dringendsten?
Eine Umgebung, die zu ihm passt, statt eines Kindes, das sich anpasst. Konkret heisst das: die Reizmenge stimmt, die Abläufe sind vorhersehbar, und es darf mitbestimmen. Alles Weitere baut darauf auf.
Heisst es neurodiverses oder neurodivergentes Kind?
Ein einzelnes Kind ist neurodivergent. Neurodiversität beschreibt die Vielfalt in einer Gruppe und schliesst neurotypische Menschen mit ein, deshalb kann eine einzelne Person nicht neurodivers sein. Der Begriff „neurodiverses Kind“ ist trotzdem verbreitet, weil er weicher klingt.
Braucht mein Kind eine Diagnose?
Für die Begleitung zu Hause nicht. Für Nachteilsausgleich in der Schule, für Therapieplätze und dafür, dass das Umfeld mitzieht, ist eine Abklärung oft der einzige Weg. Sie gibt zudem ein klareres Bild davon, wo dein Kind Unterstützung braucht und wo seine Stärken liegen.
Was hilft bei Reizüberflutung im Alltag?
Die Reizmenge senken, bevor das Fass voll ist: geräuschdämpfende Kopfhörer, ein freier Rückzugsort, weniger Licht am Abend, eingeplante Pausen. Und im Moment selbst wenig reden, dafür ruhig danebenbleiben. Manche Kinder brauchen allerdings mehr Input statt weniger, Springen und Schaukeln zum Beispiel.
Woran erkenne ich, ob mein Kind neurodivergent ist?
An wiederkehrenden Mustern, nicht an einzelnen Tagen: starke Emotionen, sensorische Empfindlichkeit oder Unempfindlichkeit, tiefe Spezialinteressen, ein sehr ungleichmässiges Lerntempo, hoher Rückzugsbedarf. Sicherheit gibt nur eine Abklärung bei einer Fachperson, dein Bauchgefühl ist aber ein guter Grund, eine zu suchen.
Was mache ich, wenn mein Kind in der Schule nicht klarkommt?
Möglichst früh das Gespräch suchen und konkrete Anpassungen klären: Nachteilsausgleich, andere Prüfungsformate, Pausen, Bewegung, sensorische Entlastung. Je länger ein Kind in einer Umgebung aushält, die es überfordert, desto grösser wird das Risiko, dass es die Schule irgendwann ganz verweigert.
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Goni Boller ist Beraterin und Coach für Eltern von sensiblen, gefühlsstarken, wilden und neurodivergenten Kindern. Sie begleitet Familien dabei, zu verstehen, wie bei ihnen alle ticken, und Lösungen zu finden, die für alle passen. Damit der Alltag wieder mehr Spass macht und die Familie zusammenhält. Es geht dabei nicht nur um Ideen für den Umgang mit dem Kind, sondern auch um die eigenen Prägungen und Trigger, die oft genau dann im Weg stehen, wenn Eltern eigentlich anders reagieren möchten.
Selbst neurodivergent und Mutter von zwei gefühlsstarken Jungs kennt Goni diesen Familienalltag nicht nur aus der Theorie. Dazu kommt ihr Wissen aus der Coachingausbildung, aus der kindlichen Entwicklung und aus ihrem naturwissenschaftlichen Hintergrund. Als Coach arbeitet sie seit 2018. Mit ihrer Familie lebt sie im Aargau in der Schweiz.